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Die Schulterwanderung: Warum jeder Grundschliff die Klinge verändert

vor 2 Tagen
2 Min. Lesezeit

Teil 4 einer 5-teiligen Serie über Klingengeometrie und Schneidverhalten:

  1. Schärfe vs. Schneidfreude: zwei Dinge, die man leicht verwechselt

  2. Warum Schärfe vergeht, Schneidfreude aber bleibt

  3. Mikrofase statt Grundschliff: Wie man Schneidfreude erhält

  4. Die Schulterwanderung: Warum jeder Grundschliff die Klinge verändert

  5. Das Rezept für Schneidfreude bei CULILUX-Messern


In der letzten Folge war klar: Irgendwann reicht die Mikrofase nicht mehr. Die Breite hat ihr Limit erreicht, der Winkel ist ausgereizt – jetzt ist ein neuer Grundschliff fällig. Aber was passiert dabei eigentlich mit der Klinge?


Was beim Grundschliff wirklich passiert

Anders als bei der Mikrofase, die nur die letzten Zehntelmillimeter an der Spitze betrifft, wird beim Grundschliff die gesamte Sekundärfase neu angelegt – von der Schulter bis zur Schneide. Es wird also nicht nur die Spitze erneuert, sondern die komplette Fase, die für die Schärfe verantwortlich ist, wird noch einmal frisch geschliffen.


Warum dabei die Schulter wandert

Dabei empfiehlt es sich, den Grundschliff im gleichen Winkel wie den ursprünglichen Schliff der Sekundärfase auszuführen. Damit dieser Winkel bei einer neuen, scharfen Kante erhalten bleibt, muss bei jedem Grundschliff etwas Material von der gesamten Fasenfläche abgetragen werden – nicht nur an der Spitze, sondern über ihre ganze Breite. Die Folge: Die Schulter, also der Übergang von der dicken Primärfase zur dünnen Sekundärfase, wandert dabei ein kleines Stück nach oben, in Richtung Klingenrücken. Nach einem einzelnen Grundschliff ist das kaum wahrnehmbar. Über viele Jahre und wiederholte Schliffe summiert sich diese Wanderung aber messbar.



Warum das die Schneidfreude kostet

Und genau das trifft den Kern der Sache. Die Schneidfreude wird nicht von der Schärfe der Kante bestimmt, sondern davon, wie schnell die Klinge hinter der Kante an Dicke zunimmt. Wandert die Schulter nach oben, verschiebt sich auch diese Zunahme – die Klinge wird an jedem Punkt hinter der Kante geringfügig dicker, als sie es ursprünglich war. Die Kante selbst kann dabei rasiermesserscharf sein. Genau deshalb sind viele Messer nach Jahren des Nachschleifens spürbar weniger schneidfreudig, obwohl sie immer wieder fachmännisch geschärft wurden.


Was man dagegen tun kann

Der Fachbegriff dafür ist Ausdünnen: Dabei wird nicht nur die Sekundärfase neu angelegt, sondern die Primärfase selbst wieder dünner geschliffen, sodass die Schulter an ihre ursprüngliche Position zurückwandert und die Klinge wieder ihre ursprüngliche, schlanke Geometrie bekommt. Das ist allerdings kein Schritt für den Alltag – Ausdünnen gehört schon in den Bereich der hohen Kunst des Messerschleifens und ist in der Regel Sache eines erfahrenen Schleifers. Die gute Nachricht dabei: Je nach Messer und je nach Pflege- bzw. Schärfrhythmus kann es viele Jahre dauern, bis die Schneidfreude spürbar nachlässt und ein Ausdünnen tatsächlich notwendig wird.


Was als Nächstes kommt

In der letzten Folge dieser Serie zeigen wir, wie CULILUX-Messer geschliffen und gepflegt werden, damit Schärfe und Schneidfreude möglichst lange zusammen erhalten bleiben.

 
 
 

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